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ISO 10993-4 beschreibt den Rahmen zur Auswahl relevanter Endpunkte für die Interaktion von Medizinprodukten mit Blut. HygCen Germany prüft hämokompatible Eigenschaften inhouse und richtet Prüfansatz und Probenvorbereitung am Blutkontakt (direkt/indirekt) sowie an der Kontaktzeit aus. Sie erhalten QES-signierte Prüfberichte als Input für die Biologische Beurteilung gemäß ISO 10993-1.


Die Hämokompatibilität nach ISO 10993‑4 bewertet, wie ein Medizinprodukt mit Blut interagiert und ob dabei hämolytische, gerinnungsbezogene oder immunologische Reaktionen ausgelöst werden können. Die Norm bildet den Rahmen für eine risikobasierte Auswahl der relevanten Endpunkte und ist für alle Produkte erforderlich, die direkten oder indirekten Blutkontakt aufweisen – etwa Katheter, Dialysatoren, Blutleitungen oder implantierbare Systeme.
Der Prüfansatz richtet sich nach Art und Dauer des Blutkontakts. Für extrakorporal kurzzeitig eingesetzte Produkte können andere Endpunkte im Fokus stehen als für langzeitig intravaskulär verwendete Implantate. Typische Parameter sind Hämolyse, Gerinnungsaktivierung, Thrombenbildung, Plättchenaktivierung und Komplementaktivierung. Diese Endpunkte decken unterschiedliche hämatologische und hämostaseologische Mechanismen ab und ermöglichen eine umfassende und klinisch relevante Risikoabschätzung.
Die Prüfstrategie und Probenvorbereitung orientieren sich an den Anforderungen der ISO 10993‑4 sowie an den spezifischen Eigenschaften des Medizinprodukts. Blutkontakt wird über geeignete statische oder dynamische in‑vitro‑Systeme simuliert, die Geometrie, Oberflächenbeschaffenheit und Kontaktzeit des Produkts möglichst realitätsnah nachbilden. Dadurch entstehen reproduzierbare Daten mit direktem Bezug zum späteren klinischen Einsatz.
Die Ergebnisse der Hämokompatibilitätsprüfung fließen als eigenständiger Baustein in die Biologische Beurteilung nach ISO 10993‑1 ein. Unauffällige Resultate stützen die Annahme eines geringen hämokompatibilitätsbezogenen Risikos. Auffällige Befunde hingegen müssen toxikologisch bewertet, klinisch eingeordnet und ggf. durch Materialänderungen, Designanpassungen oder zusätzliche Prüfungen adressiert werden.
| Normkriterium | Anforderung / Inhalt | Hinweis |
|---|---|---|
| Zielsetzung | Interaktionen mit Blut bewerten | Rahmen ISO 10993-4 |
| Endpunkte | z. B. Hämolyse, Gerinnung, Komplement | Risikobasiert |
| Probenvorbereitung | ISO 10993-12 angelehnt | Blutkontakt abbilden |
| Bericht | QES-signiert | MDR-fähig |
| Einordnung | Input ISO 10993-1 | Extern bewertet |
ISO 10993‑4 ist erforderlich, sobald ein Medizinprodukt direkten oder indirekten Kontakt mit Blut hat. Dazu zählen extrakorporale Systeme wie Dialysatoren ebenso wie intravaskuläre Implantate oder kurzzeitig blutkontaktierende Komponenten. Die Norm stellt sicher, dass alle relevanten Interaktionen zwischen Produkt und Blut – einschließlich Hämolyse, Gerinnung und Komplementaktivierung – systematisch geprüft und im Risikomanagement gemäß ISO 14971 berücksichtigt werden.
Relevante Endpunkte umfassen typischerweise Hämolyse, Gerinnungsaktivierung, Thrombenbildung, Plättchenaktivierung und Komplementaktivierung. Welche Parameter geprüft werden, hängt von der Produktart, der Blutkontaktzeit und dem klinischen Einsatz ab. Die Endpunktwahl erfolgt risikobasiert, um alle wesentlichen hämatologischen und hämostaseologischen Mechanismen abzudecken, die die Patientensicherheit beeinflussen können.
Blutkontakt wird über geeignete in‑vitro‑Systeme abgebildet. Je nach Produktart kommen statische oder dynamische Modelle zum Einsatz, in denen Blut oder blutähnliche Medien kontrolliert mit dem Prüfkörper interagieren. Die Probenvorbereitung erfolgt in Anlehnung an ISO 10993‑12, damit relevante Prozessschritte wie Sterilisation oder Aufbereitung berücksichtigt werden. Geometrie, Oberfläche und Kontaktzeit müssen realitätsnah gewählt werden, um aussagekräftige Daten zu generieren.
Die Ergebnisse dienen als zentraler Baustein der Biologischen Beurteilung nach ISO 10993‑1. Unauffällige Resultate sprechen für ein akzeptables hämokompatibilitätsbezogenes Risiko, während auffällige Werte toxikologisch und klinisch bewertet werden müssen. Je nach Befund können Design‑ oder Materialanpassungen notwendig sein, die anschließend erneut geprüft und im Risikomanagement dokumentiert werden.
Die Dauer hängt von der Anzahl der gewählten Endpunkte, der Verfügbarkeit geeigneter Blut- oder Plasmaproben und der Komplexität des Prüfaufbaus ab. Zusätzliche Zeit kann für Systemvalidierungen, Probenkonditionierung und spezialisierte Laboranalysen erforderlich sein. Der konkrete Zeitplan wird projektbezogen festgelegt, damit Zulassungs- und Markteinführungsprozesse optimal geplant werden können.
ISO 10993-12 – Probenvorbereitung & Referenzmaterialien, ISO 10993-18 – Chemische Charakterisierung, ISO 10993-10 – Hautsensibilisierung, ISO 10993-5 – Zytotoxizität, ISO 10993-23 – Irritation, ISO 10993-3 – Genotoxizität, Pyrogenität & Endotoxin – inkl. ISO 10993-11 Koordination, ISO 10993-1 - Biologische Beurteilung

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