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ISO 10993-10 bewertet, ob Materialien oder extrahierbare Stoffe eine allergische Hautsensibilisierung auslösen können. Moderne Strategien setzen zunehmend auf tierversuchsfreie in-chemico- und in-vitro-Methoden, darunter kDPRA (Peptidreaktivität), KeratinoSens™ (ARE-Nrf2-Aktivierung) und h-CLAT (Zellaktivierung). Diese Ansätze adressieren unterschiedliche Schlüsselereignisse des Adversen Outcome Pathways (AOP) und liefern robuste Daten für die Risikocharakterisierung. Die Expositionsabbildung erfolgt über risikobasierte Extrakte (ISO 10993-12) und – je nach Produkt – ergänzend über Oberflächenkontakt. Falls zusätzliche Verfahren erforderlich sind, koordinieren wir diese normkonform – Sie behalten HygCen Germany als zentralen Ansprechpartner.


Die Hautsensibilisierung nach ISO 10993-10 bewertet, ob Materialien, Additive oder extrahierbare Stoffe eines Medizinprodukts eine allergische Kontaktdermatitis auslösen können. Die Norm bildet einen zentralen Bestandteil der biologischen Bewertung und dient dazu, das Risiko einer immunologischen Sensibilisierung frühzeitig zu erkennen. Moderne Prüfstrategien orientieren sich zunehmend an tierfreien AOP-basierten Methoden, die mehrere Schlüsselereignisse des Sensibilisierungspfads abdecken.
Zu den wichtigsten in-vitro/in-chemico-Ansätzen zählen kDPRA, KeratinoSens™ und h-CLAT. Diese Methoden bilden unterschiedliche Phasen der Haptenisierung, Keratinozytenaktivierung und dendritischen Zellaktivierung ab und liefern so eine robuste Evidenzbasis. Welcher Ansatz gewählt wird, hängt vom Materialtyp, der Expositionsdauer und der Wahrscheinlichkeit potenziell reaktiver chemischer Gruppen ab. Durch die Kombination der Methoden entsteht eine gut abgesicherte Gesamtbewertung.
Die Expositionsabbildung erfolgt normkonform gemäß ISO 10993-12. Je nach Produkt kommen polare und unpolare Extraktionsmedien. Diese Parameter gewährleisten, dass sowohl lösliche als auch schwer lösliche Bestandteile erfasst werden. Eine gut dokumentierte Probenstrategie ist entscheidend, um die regulatorische Nachvollziehbarkeit sicherzustellen.
Die Ergebnisse der Hautsensibilisierung fließen direkt in die Biologische Beurteilung gemäß ISO 10993-1 ein und beeinflussen die Risikocharakterisierung des Produkts. Unauffällige Ergebnisse sprechen für ein geringes allergisches Risiko, während auffällige Befunde eine vertiefte toxikologische Betrachtung oder Anpassungen der Materialzusammensetzung erforderlich machen können.
| Normkriterium | Anforderung / Inhalt | Hinweis |
|---|---|---|
| Risiko | Allergische Kontaktdermatitis | Sensibilisierungspotenzial |
| AOP-Strategie | Mehrere Schlüsselereignisse abdecken | Robustheit der Evidenz |
| Methoden (Beispiele) | kDPRA, KeratinoSens™, h-CLAT | Tierversuchsfrei, wo geeignet |
| Probenabbildung | ISO 10993-12 Extrakte & ggf. Oberflächenkontakt | Exposition realistisch |
| Nutzung der Daten | Input für ISO 10993-1 | Risikobewertung/Technische Doku |
Eine in-vitro/in-chemico-Strategie ist ausreichend, wenn die Materialien ein geringes Sensibilisierungspotenzial aufweisen und die chemische Charakterisierung keine Hinweise auf stark reaktive Gruppen liefert. Methoden wie kDPRA, KeratinoSens™ und h-CLAT decken mehrere Schlüsselereignisse im AOP ab und ermöglichen eine belastbare Beurteilung ohne Tierversuche. Voraussetzung ist, dass die verwendeten Extraktionsansätze gemäß ISO 10993-12 realistische Expositionsbedingungen abbilden. Zudem sollte keine komplexe Materialmatrix vorliegen, die zusätzliche Prüfungen erfordert.
Sensibilisierungskritisch sind insbesondere reaktive Monomere, bestimmte Klebstoffsysteme, Beschichtungen, Additive, Farbstoffe und Abbauprodukte von Polymeren. Auch geringe Mengen elektrophiler funktioneller Gruppen können immunologische Reaktionen auslösen. Hinweise auf potenzielle Risiken liefert die chemische Charakterisierung gemäß ISO 10993-18. Werden solche Stoffe identifiziert, muss eine intensivere Sensibilisierungsstrategie verfolgt und die AOP-basierte Evidenz besonders sorgfältig bewertet werden.
kDPRA misst die kovalente Bindung eines Testartikels an synthetische Peptide und bildet damit das erste Schlüsselereignis des Allergisierungspfads ab. Ein positiver Befund zeigt, dass eine Substanz grundsätzlich in der Lage ist, Proteine zu modifizieren und so eine mögliche Sensibilisierung auszulösen. Für eine vollständige wissenschaftliche Einordnung wird kDPRA jedoch immer zusammen mit KeratinoSens™ und h-CLAT betrachtet. Diese Kombination erhöht die Robustheit der Risikobewertung.
Reale Nutzung wird durch risikobasierte Extraktionsansätze nach ISO 10993-12 abgebildet, die unterschiedliche Stoffklassen erfassen. Für bestimmte Produkte – beispielsweise Katheter mit direktem Hautkontakt – kann ein direkter Oberflächenkontaktansatz erforderlich sein. Diese Methoden berücksichtigen sowohl mobile als auch schlecht lösliche Stoffe. Dadurch entsteht ein realistisches Bild der tatsächlichen Exposition im klinischen Einsatz.
Die Sensibilisierungsergebnisse sind ein wesentlicher Bestandteil der Biologischen Beurteilung nach ISO 10993-1. Sie ergänzen chemische und irritative Endpunkte und helfen, das allergische Gesamtrisiko zu bewerten. Bei unauffälligen Ergebnissen kann häufig auf zusätzliche Prüfungen verzichtet werden. Auffällige Resultate müssen dagegen toxikologisch eingeordnet und im Risikomanagement entsprechend berücksichtigt werden.
ISO 10993-12 – Probenvorbereitung & Referenzmaterialien, ISO 10993-18 – Chemische Charakterisierung, ISO 10993-5 – Zytotoxizität, ISO 10993-23 – Irritation, ISO 10993-3 – Genotoxizität, ISO 10993-4 – Hämokompatibilität, Pyrogenität & Endotoxin – inkl. ISO 10993-11 Koordination, ISO 10993-1 - Biologische Beurteilung

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